Zu hören am Sonntag 18. und 25. Dezember 2016, 14:00 - 21:00 Uhr:
(2016)
von Yan Jun (China) & Mattin (Spanien)
Kurator, Lautsprecherinstallation: Knut Remond
Yan Jun & Mattin über 'Vote on Voting':
Dies ist ein laufendes Forschungsprojekt, welches die Beziehung zwischen Demokratie und experimenteller Musik erkundet. Die erste Präsentation fand in Form eines Konzerts statt, am 18. September 2016, dem Wahltag in Berlin. In Vorbereitung auf dieses Konzert riefen wir alle politischen Parteien an, stellten mehrere Fragen und nahmen sie auf. Vor dem Konzert gingen wir zum Wahllokal und nahmen dort den Umgebungssound auf. Danach gingen wir zum Veranstaltungsort des Konzerts und spielten die Dateien ab, während die Leute am Trinken waren. Wir begannen ungezwungene Gespräche mit Mitgliedern des Publikums, aber das Publikum dachte, dass nichts passierte. Nach zweieinhalb Stunden wurde eine Frage, die von einem Mitglied des Publikums privat formuliert worden war, mit allen im Raum geteilt:
"Vielleicht wird die Demokratie aufhören, weil immer weniger Leute an sie glauben."
Gerade als die Konversation startete, begann N.M.O., die Gruppe die nach uns hätte DJ-en sollen, Musik zu spielen, und unser Konzert endete eigentlich mit einer Abstimmung, ob das Publikum gerne Konversation, Musik, beides oder Ruhe wollte. Es wurde für Ruhe gestimmt, aber eigentlich respektierte niemand die Abstimmung und es gab voll Musik und Gespräche. Was nach diesem Mikro-Experiment klar war ist, dass die Demokratie in einer Krise ist und viele Leute in der experimentellen Musikszene ihr misstrauen. Dies kann auf der Makro-Ebene durch die kürzlichen politischen Ereignisse bestätigt werden: Brexit, Trump, Italien, FARC-Wahl in Kolumbien…
Für diese zwei-sonntägliche Ausstellung werden Sie Material von unserer ersten Intervention hören und aufgefordert werden, über Abstimmen oder nicht-Abstimmen abzustimmen und Ihre Gedanken mit uns zu teilen.
Audio Field Reports nos. 1-56 / Soundaktivismus 1-35: Interviews seit Januar 2014 mit den KünstlerInnen, Konzept und Design von Knut Remond. Limitierte Auflagen Audio-Kassette, je 8 Stück nummeriert. Erhältlich bei 'ohrenhoch, der Geräuschladen' (und zu hören auf Kopfhörer im ohrenhoch-Archiv).
Yan Jun, Musiker und Dichter. Geboren 1973 in Lanzhou. Ansässig in Peking. Lebt zurzeit in Berlin für Künstlerresidenz (DAAD).
Seine Aktivitäten beinhalten improvisierte Musik, experimentelle Musik, Fieldrecording, Organisieren und Schreiben.
Ausser an Veranstaltungsorten geht er zum Publikum nach Hause, um mit der Umgebung und was sonst im Raum (Wohnzimmer-Tour-Projekt) vorhanden ist, zu spielen. Und er macht Noise-Hypnotisieren an beliebigen Orten für kleines Publikum.
Verstärkt auch Körperbewegungen oder andere performative Elemente auf einfache Art.
Er ist Mitglied von FEN, Tea Rockers Quintet und Impro Committee. Und Gründer des Guerilla-Labels Sub Jam.
Mattin ist ein Künstler aus Bilbao, Spanien - im Moment in Berlin lebend - der mit Noise und Improvisation arbeitet. Seine Arbeit strebt danach, sich mit den sozialen und ökonomischen Strukturen experimenteller akustischer Produktion zu befassen, durch Live Performance, Aufnahmen und Schreiben. Mit einer konzeptuellen Vorgehensweise beabsichtigt er, die Beschaffenheit und Parameter von Improvisation zu hinterfragen, speziell die Beziehung zwischen der Idee von "Freiheit" und konstanter Innovation, die sie traditionellerweise impliziert, und die etablierten Konventionen von Improvisation als Genre. Er macht momentan ein PhD an der Universität Baskenland unter der Supervision von Ray Brassier und Josu Rekalde. Zusammen mit Anthony Iles gaben sie im Jahr 2009 das Buch "Noise & Capitalism" heraus. 2012 veröffentlichte Brétigny und Tuamaturgia "Uconsitituted Praxis", ein Buch, das sein Schreiben versammelt plus Interviews von Performances, an denen er teilhatte. Mattin wurde eingeladen, an der documenta 14 teilzunehmen, die 2017 in Athen und Kassel stattfinden wird.
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